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Kollegiale Reflexion

Lehrerinnen und Lehrer sprechen viel über ihre Schüler und über deren Eltern. Sie selbst bleiben als Person meist außen vor. Wie geht es den Lehrern? Wie sehen sie sich selbst? Wie ihre Beziehung zu Schülern und Eltern?

Diese Fragen werden weder gestellt noch beantwortet. Solange die Beziehungen untereinander, zu Schülern und Eltern gut sind, fällt das nicht weiter auf. Kommt es aber zu Konflikten, fehlt Lehrern ein Beistand. Nicht als Verstärkung gegen den Schüler (auch wenn beiden Seiten in kritischen Situationen Hilfe gut täte), sondern als Beistand bei der Reflexion der eigenen Rolle und Lage. Diesen Beistand kann am besten leisten, wer die Probleme und Konflikte kennt: die eigenen Kollegen.

Die Grundidee

Lehrer sollten sich regelmäßig austauschen – über sich und ihre Beziehungen zu den Menschen, mit denen sie arbeiten. Ein solcher Austausch unterstützt die persönliche und berufliche Weiterbildung. Und obwohl – oder gerade weil – er nicht primär auf konkrete Problemlösung abzielt, kann er in erheblichem Maße Konflikte entschärfen, das Arbeitsklima verbessern und neu motivieren.

Ansatz und Ziele

Kollegiale Reflexion ist eine strukturierte Arbeitssituation unter Berufskollegen, die nach Ausbildung, Erfahrung und Kompetenz gleichgestellt sind. Ihr Ziel ist es, die Kollegialität auszubauen, das berufliche Selbstwertgefühl und das persönliche Wohlergehen bei der Arbeit zu steigern. Zudem geht es darum, ein konstruktives Verhältnis zu den eigenen beruflichen Einschränkungen zu gewinnen.

Die zentralen Fragen lauten:

Dynamisches Konzept

Die Kollegiale Reflexion ist ein sich selbst verbesserndes System. Die Praxis der Reflexion verfeinert rasch die Selbst- und Fremdwahrnehmung und übt eine respektvolle Kommunikation. Beides steigert die Beziehungskompetenz der Kollegen. Sie tauschen sich intensiver aus und entwickeln ihre Fähigkeit zur Reflexion laufend weiter. So ist ein Kollegium von innen heraus in der Lage, das schulische Klima und die Arbeitszufriedenheit deutlich zu verbessern – mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Schülern und Eltern.

Entwickelt aus der Praxis

Die Methode hat der dänische Psychologe und Familientherapeut Peter Mortensen in langjähriger Arbeit an Schulen entwickelt. Mortensen arbeitet seit Jahren als Mitarbeiter von Jesper Juul [Link zu 12] für das Kempler Institut. Die Erfahrungen in Dänemark belegen den Nutzen: „Wir haben unser gegenseitiges Verständnis spürbar verbessert und intensiviert.“
„Es tat gut, die Überlegungen der anderen zu hören und zu erleben, dass man nicht der einzige ist, der mit den bearbeiteten Themen zu kämpfen hat.“
„Persönlich fühle ich mich weniger gestresst, dafür zufriedener in der Arbeit und habe mehr Optimismus bei der Arbeit mit den Kindern und deren Familien.“
„Die Arbeit hat unsere Fähigkeit zur Kommunikation und Problemlösung verbessert – sowohl beruflich als auch privat.“

Ablauf

Ein bis zweimal monatlich treffen sich Lehrerinnern und Lehrer einer Schule in gleich bleibenden Kleingruppen von fünf bis sieben Teilnehmern für rund drei Stunden. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich freiwillig für diese Treffen außerhalb ihrer Arbeitszeit entschieden. Sie sprechen über ihre Probleme im Schulalltag und hören die der anderen. Die Sitzungen verlaufen nach einer abgesprochenen Struktur. Der Gesprächsverlauf gliedert sich in drei Phasen. Dadurch wird die Zeit effektiv genutzt und eine hohe Qualität der Gespräche gewahrt.

Wer ein Anliegen berichtet, sucht sich einen Gesprächspartner in der Gruppe. Der hilft ihm durch Verständnisfragen, sein Problem so klar wie möglich zu schildern. Aufgabe der Gruppe ist es, mit dem Problemhalter seine persönlichen Fähigkeiten und Handlungsoptionen herauszuarbeiten. Alle Gruppenmitglieder sind dabei gleichberechtigt, jeder für den Gesprächsverlauf mitverantwortlich. Aufgaben wie die Moderation werden abwechselnd übernommen. Die Schulleitung kann nicht teilnehmen, da sonst die Gleichstellung der Teilnehmer nicht mehr gegeben ist.

Mit minimaler Hilfe von außen (Nach einer kurzen Einführungsphase treffen sich die Kleingruppen in Eigenverantwortung!) erarbeitet sich die Gruppe dadurch Wege zu unterstützendem und herausforderndem Feedback.

Spätere Ausweitung

Die Arbeit beruht auf der Bereitschaft des einzelnen, Reflektionsbedarf anzumelden. Dabei können ihn die Kollegen zwar unterstützen, indem Sie ein offenes Gruppenklima schaffen. Maßgeblich bleibt indes die Motivation des einzelnen Teilnehmers. Dazu kann niemand verpflichtet werden. Wenn sich eine Schule für die Kollegiale Reflexion entscheidet, wird sich ein Teil des Kollegiums dazu bereit erklären, ein anderer nicht. Die Praxis zeigt allerdings: Mit der Zeit steigen immer mehr Kollegen ein. Denn die Erfolge sprechen für sich.

Mein Angebot

Meine Arbeit beginnt mit einem ausführlichen Referat über die Praxis der Kollegialen Reflexion in einer Schule, deren Kollegium sich dafür interessiert. Wenn sich die Schule dann für eine Einführung entscheidet, übernehme ich die Begleitung: Ich leite die ersten beiden Treffen und helfe der Gruppe, die Regeln zu klären und den Verlauf einzuüben. Danach trifft sich die Gruppe eigenverantwortlich, kann sich aber jederzeit entscheiden, in einzelnen Fällen Hilfe von außen dazuzuholen. Nach einem halben Jahr begleite ich noch einmal ein Treffen.

Infomappe Kollegiale Reflexion (PDF)
Vertiefende Informationen zur Kollegialen Reflexion Nach oben