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Rhythmik und Funktionelle Entspannung in Grundbildung und Alphabetisierung

Bereits Anfang der 90er Jahre entwickelte ich in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Orientierungs- und Bildungshilfe in Berlin (AOB) Angebote der Rhythmik und der Funktionellen Entspannung. Das Ziel: Lernprozesse zu unterstützen und die Beziehungskompetenz im Unterricht mit erwachsenen Analphabeten zu erhöhen. Dabei kristallisierten sich drei ineinander greifende Bereiche als zentral heraus:

In der Arbeit mit Erwachsenen, die lesen und schreiben lernen wollten, wurde mir dabei der Unterschied zur Schule mit Kindern bewusst. Die erwachsenen Teilnehmer wurden von den Kursleitern ernst genommen, alle Entwürdigungen, die im schulischen Alltag von Kindern und Jugendlichen etabliert sind, fehlten gänzlich. Die Bedürfnisse der Teilnehmer wurden als wichtig erachtet und ihre früheren Erfahrungen berücksichtigt. Diese respektvolle Haltung der Kursleiterinnen unterstützte und vertiefte meine Inhalte.

Rhythmik und Funktionelle Entspannung geben Angebote und Hilfestellungen für die persönliche Vorbereitung des Lehrers, für die Vorbereitung der Inhalte, für die Lernatmosphäre im Unterricht und für die Vermittlung des Lernstoffs. Unumgänglich ist die eigene Erfahrung mit der Arbeitsweise. Erst das eigene Probieren lässt die Dimensionen der Versuche und Aufgaben erkennen. Ich erlebe oft, dass Teilnehmer nach der gleichen Aktion von gegensätzlichen Erfahrungen berichten oder der Arbeit eine Richtung geben, die auch ich noch nicht gesehen hatte. (Individualität, eigene Erfahrungen und Abgrenzung von ich und du)

In meinen Kursen erarbeite ich mit den Teilnehmenden durch Ausprobieren Spiele und Übungen mit Geräten und verschiedenen Materialien (Reifen, Bälle, Stäbe, Seile, Bleibänder etc.). Die Gruppe erlebt meine Angebote und jeder macht seine Erfahrungen damit. Dem Austausch über das Erlebte räume ich ausreichend Zeit ein. Dabei ergeben sich Gespräche über didaktische und methodische Wege. Und ich kann meine Planung mit den Arbeitsbereichen der Gruppe abstimmen.

Die Spiele und Übungen sind nicht ergebnisorientiert, sondern auf Zugewinn von individuellen Erfahrungen und Fähigkeiten ausgerichtet. Je nach Gruppe verändern sich die inhaltlichen Schwerpunkte, aber nie das Prinzip der Vorgehensweise.

So lassen sich zum Beispiel mit Tennisbällen zur Unterstützung der Lautierung lang und kurz klingende Laute unterschiedlich sichtbar machen. Ein Teilnehmer wird mit seinem Tennisball zum Dirigent, dem die Gruppe mit der Stimme folgt. Ein Tennisballmuster auf dem Boden hilft verschiedene Standpunkte und Blickwinkel zu erleben oder die Teilnehmer rollen zur Erholung den Ball unter ihren Fußsohlen.

Natürlich lässt sich der Kurs verschiedenen räumlichen Gegebenheiten anpassen. Am besten geeignet sind große Räume, in denen sich die Gruppen ausladend bewegen können. Wo das nicht möglich ist, lassen sich auch in kleinen Räumen, an Tischen sitzend Programme finden, die geeignet sind.

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